Rezension : Wenn Tag und Nacht sich finden

Autor: Eyrisha Summers

Genre: High Fantasy

Verlag: Dark Diamonds

Seiten: 475 

Reihe: Reihenauftakt

Das Cover zeigt die Protagonistin auf einem Felsen. Sie schaut verträumt hinauf zu einem Schloss in den Wolken. Das Cover ist verspielt und verträumt und spiegelt auch die Melancholie der Geschichte wieder.

Aniya leidet seit Jahren unter ihrem tyrannischen Vater, dem König der Elori. Seit dem Tod ihrer Mutter hat er tiefe Narben voller Grausamkeit auf ihrer Seele hinterlassen und ihr das Fürchten gelehrt. Aber es ist nicht nur die Angst vor den Männern, die sie tief in sich spürt, vor allem ist ihr die tiefe Abscheu vor einem Volk eingeimpft worden, dessen Rituale sie für grausam hält. Und genau solch einem Ritual muss sie nun, als Vertreterin der Königsfamilie, beiwohnen, um dem jungen Elbenfürsten Respekt zu zollen. Denn die Blutelben bieten ihnen für diesen Tribut, dass was ihr Volk am meisten braucht, Schutz vor der Heimtücke der Natur.

Zwei Völker, die unterschiedlicher nicht sein könnten und doch hört der Fürst der Blutelben, das magische Lied, das aus Aniyas ungestümen Herzen erklingt und das nur für ihn spielt. Um sie zu schützen, macht Darkyn dem König ein Angebot, das er nicht ablehnen kann und bestimmt Aniya zu seiner Frau. Aber Aniya denkt nicht daran, den ihr verabscheuten Blutelben an ihrer Seite zu akzeptieren.

Wow, wo fang ich nur an?

Wer nach den letzten Sätzen des Inhaltes mit einer einfachen Romantasygeschichte gerechnet hat, der hat sich hier an dieser Stelle getäuscht. Die eigentliche Geschichte hinter diesen Zeilen geht viel tiefer und zeigt tiefe ökologische und gesellschaftskritische Probleme auf, dem sich die Autorin angenommen hat. Denn die vielfältige, magische Flora und Fauna, die die Autorin beschreibt, ist im Begriff zu sterben und setzt mit diesem ersten Teil eine Kaskade von Ereignissen frei, die bis zum Schluss noch nicht vollends ergründet werden können. Und die Sprache und Ausdrucksweise, die die Autorin dafür nutzt ist unglaublich ausdrucksstark, gewaltig und schwermütig.

Ein weiteres tiefsitzendes Problem ist der Völkerhass. So sehr sich die Blutelben und die Elori auch brauchen, ihre unterschiedlichen Ansichten zur Natur und zur Technik reißen immer wieder tiefe Kluften in die Beziehungen der Völker. Niemand traut dem anderen. Und doch lässt Darkyn sich an dieser Stelle nicht davon abbringen eine Elorin zu seiner Frau machen zu wollen. Nur kann Aniya ihre tief erlernte Feindschaft nicht so einfach abstellen und begibt sich immer wieder in Gefahr um vor Darkyn zu fliehen. Aniyas Wandlung hat mir hierbei sehr gut gefallen. Sie beginnt zu verstehen, dass nicht alles was sie glaubte zu Wissen auch der Wahrheit entspricht. Das die Blutelben keineswegs barbarisch sind und das alles was in der Natur geschieht einen Grund hat. An dieser Stelle nimmt ihr Charakter selbstbewusste Züge an, der für ihre Rolle unabdingbar ist. Allerdings, und hier kommt mein einziger Wermutstropfen in dieser Geschichte, der anfängliche Weg zu dieser selbstsicheren Person hat mir nicht immer gefallen und leider dauerte diese Episode auch recht lang. Denn die Rolle der Frau, die hier vermittelt wurde, empfand ich zu klischeehaft und grenzwertig tolerabel. Denn Aniya wurde mehr oder weniger mehrfach mit einer bissigen Stute verglichen, die erst von dem erfahrenen Reiter gezähmt werden musste. Zumindest war mein Eindruck so. Hier wurde mit einem Rollenspiel gespielt, in dem Frauen keinerlei wert haben. Natürlich ist das Leben nicht immer schwarz und weiß und voller selbstbestimmter Frauen. Natürlich darf in einem Roman gern auch mal überzogen werden, um die Fantasie anzukurbeln und doch empfand ich diesen Abschnitt als zu lang und war froh, als sich die Geschichte endlich wandelte und nach und nach ihr eigentliches und echtes Potenzial zeigte. Und das war gewaltig. Denn jetzt kam die eigentliche Problematik zu tragen, es wurde magischer, mystischer und erhielt sogar vollkommen unerwartet Spuren von Science Fiction. Und auch die Figuren erhielten jetzt erst das Potenzial ihrer Liebesgeschichte.

Eine High- Fantasy- Geschichte, die ausdrucksstärker kaum sein könnte, die aber ein paar Seiten benötigt, um ihr eigentliches Potenzial zu zeigen. Absolute Leseempfehlung!

Add a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.